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Georg Klein
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TRASA
EUBW Watch Tower
Godwin
Gnade Jobcenter
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Georg Klein - Klang | Video | Medienkünstler und Komponist - lebt in Berlin.

"In Klang- wie Medienkunst sind die Arbeiten von Georg Klein eine Ausnahmeerscheinung. In der Klangkunst gibt es keine andere künstlerische Position, die sich in ähnlicher Intensität und Konsequenz mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit und dem urbanen öffentlichen Raum auseinandersetzt. In der Medienkunst sind diese Themen zwar stärker verbreitet, aber auch dort findet man weder Künstler, die dem Musikalischen und Auditiven eine ähnliche Bedeutung einräumen, noch kennen sie die Form des Ortsbezugs, die Klein entwickelt hat. Diese beiden Aspekte machen das Besondere im ästhetischen Denken dieses Künstlers aus – die Genauigkeit und Sensibilität, mit der er für ein Projekt Klänge, Geräusche, Bilder, Gedichte oder Textkompositionen auswählt, ist ebenso ungewöhnlich wie der Ortsbezug, der den Kern seiner Ästhetik bildet." (Prof. Sabine Sanio, Universität der Künste Berlin)

Georg Klein studierte Elektrotechnik/Toningenieur,
Akustik und Kommunikationswissenschaft an der TU München und TU Berlin. Von 1991-94 arbeitete er für 3 Jahre in einem Forschungsteam zur Visualisierung von gesprochener Sprache für Gehörlose an der Technischen Universität Berlin. Von 1991-98 Studium der Religionsphilosophie/Psychoanalyse/ Kulturwissenschaft und Vergl. Musikwissenschaft/Musikethnologie an der Freien Universität Berlin. Gastdozent 1999 und 2000 an der FU Berlin. 1998 - 2001 studierte er elektronische Komposition am Elektr. Studio der TU Berlin.

Seit 1996 selbständig als Komponist, mit kammermusikalischen Werken mit Live-Elektronik (Intern. Gustav-Mahler-Kompositionspreis 1999) sowie Musik zum Film (Intern. Filmfestspiele Berlin 1997) und Theater (mit Peter Zadek/ Berliner Ensemble, 2004-2008).

Juli 2000: Konzeptionelle Grundlegung von comaberlin: Produktion intermedialer Kunst. Seitdem überwiegend mit ortsspezifischen Installationen im öffentlichen Raum vertreten, die ausgehend vom Ort den Alltagsraum mit Klang, Texten, Licht und Video verdichten und transformieren und mittels interaktiver und partizipativer Konstellationen in den öffentlichen Raum eingreifen.

Mit seiner ersten Installation – transition (2001-2002) – in einer Skulptur von Richard Serra vor der Philharmonie in Berlin entwickelte Georg Klein sein Konzept einer kontextbezogenen Herangehensweise, die auf einer genauen Untersuchung des Ortes basiert. Form und Material des skulpturalen Raums von Serra wurden prozesshaft ins Akustische übersetzt und mittels zwei von Angela Winkler und Otto Sander gesprochenen Texte das Gedächtniss des Ortes (NS-Euthanasiemord, Mauerfall) in den Raum eingetragen. Daraus entwickelte sich eine ortsbezogene, künstlerische Recherche und psychogeographische Situationsbestimmung (3-Schichtenmodell: sozial-situativ, formal-material, historisch-politisch), für die Georg Klein mit seiner zweiten Installation an einem Bahnhof im Ruhrgebiet mit dem Deutschen Klangkunstpreis ausgezeichnet wurde (Ortsklang Marl Mitte, Skulpturenmuseum Marl, 2002). In Imperial News (Rotes Rathaus Berlin, 2003), einer Installation zur Oberflächenwahrnehmung von Nachrichtensendungen im Irakkrieg, setzte er zum ersten Mal das Medium Video ein, das seitdem zu einem integralen Bestandteil seiner Arbeiten wurde.

Die Entwicklung eines politisch-situativen Klangkunstbegriffs, die Transformation des Raums durch zeitbasierte Medien und der Einsatz medialer Konzepte der Interaktion, Partizipation und Intervention in den öffentlichen Raum wurde seitdem auch in theoretischen Texten erörtert (s. Literaturliste). Als Vorsitzender der Berliner Gesellschaft für Neue Musik (bgnm) veranstaltete er zudem Diskussionsreihen in der staatsbank berlin mit den Themen: musik|politik (2002), reflexzonen (2003), Migration (2004), Video-Konzerte (2005).

Mai 2003 Gründung von KlangQuadrat – Büro für Klang- und Medienkunst Berlin (GbR) mit Julia Gerlach zur Organisation und Produktion von Klang- und Medienkunstprojekten im In- und Ausland (Antragstellung, Finanzcontrolling, Realisation). Koop. mit Hauptstadtkulturfond, div. Goethe-Institute, Bundesaussenministerium, Museum für Naturkunde, etc.)
Mit der Erweiterung des öffentlichen Raums durch die Ineinanderspiegelung zweier Orte über Livestreams in TRASA (2004) wurde Georg Klein international bekannt. Für diese Arbeit entwickelte er einen binationalen, audiovisuellen Raum simultan in zwei U-Bahn-Stationen in Berlin und Warschau. Der Raum wurde durch Interaktionsmöglichkeiten in einem closed-circuit-Verfahren zu einer öffentlichen Bühne für die partizipierenden Besucher und Passanten, die mit dem Angebot - und zugleich der Einschränkung - von Kommunikationsmöglichkeiten spielt. Wie in transition ist auch in TRASA die offene Form entscheidend, mit der der Prozesscharakter im Werk betont wird.

In 2005 Erste Zusammenarbeit mit der Schweizer Performance- und Videokünstlerin Steffi Weismann. Seitdem ergab sich eine stetige, gemeinsame Entwicklung von performativen und interaktiven Interventionen, die zu dialog-orientierten Installationen führte (pick up in einem Kiosk, Bern 2005, takeaway in einem Imbisswagen, SONAMBIENTE Berlin 2006) und zu performativen Interventionen (venture doll in versch. Supermärkten in Los Angeles 2008, bei der eine eigens entwickelte Roboterpuppe als Ernährungs- und Einkaufsberater fungierte, s. Werbevideo auf www.savvy-shopping.info).

2006 wurde Georg Klein der mit 12000 Euro dotierte Medien-Raum-Preis (NRW) verliehen. In derselben Zeit begann er seine TOWER TRILOGY, die sich mit einer besonderen architektonischen Form, dem Turm als Symbol gesellschaftlicher Machtausübung, auseinandersetzt. Im Rahmen eines Residenzstipendiums in Olevano Romano (Villa Massimo / Casa Baldi) wurde der erste Teil erarbeitet: turmlaute.1: Hungerturm (Rom 2006), der sich nach innen wendet während sich der zweite Teil, turmlaute.2 : Wachturm (Berlin 2007) nach aussen wendet. Diese Arbeit enthält eine neue Öffentlichkeitsstrategie durch die Anwendung eines Fakes: der Gründung einer Überwachungsorganisation - der EUROPEAN BORDER WATCH - für Bürger der EU gegen illegale Immigration. In einem frei begehbaren DDR-Grenzwachturm wurde ein Registrationszentrum mit einer interaktiven Überwachungsinstallation eingerichtet und die Bürger vor Ort sowie über Pressemitteilungen, Email-Nachrichten und einer eigenen Website zur privaten Überwachung der EU-Außengrenzen aufgefordert (www.europeanborderwatch.org). Die Vermeidung eines offensichtlichen Kunstcharakters zugunsten einer affirmativen, alle Medien einbeziehenden Öffentlichkeitsstrategie löste bei Publikum und Presse international große Irritationen aus.

In 2008 kam an der
Medienfassade der O2-World-Arena in Berlin sonic parole zur Aufführung; eine Videoarbeit, für die pseudo-revolutionäre Werbesprüche der Konsumindustrie gesammelt, ihres Werbeprodukts entledigt und in den öffentlichen Raum zurückgeworfen wurden. Mit der darauffolgenden Installation Sprich mit mir (2009) im Rotlichtviertel Braunschweigs ging eine der schwierigsten Recherchephasen einher: Interviews mit Freiern von Prostituierten, die anschließend über eine Sprechsäule vor Ort in die Öffentlichkeit gestellt wurden.

Die künstlerische Recherche, die bereits in der ersten Installation transition (2001) erprobt wurde, wird zu einem Hauptteil der künstlerischen Arbeit, die die gesamte Konzeption bestimmen kann. Dabei spielt die thematische Fokussierung sowie die Frage nach der Rezeption, also des Umgangs mit dem Publikum eine große Rolle. Die affirmative Strategie eines Fakes im öffentlichen Raum wurde wieder in der Arbeit Ramallah Tours (2009) im israelisch-palästinensischen Konflikt angewandt. In einer israelischen Innenstadt wurde ein palästinensisches Taxi aufgestellt, das Klänge und Stimmen von sich gab und damit auf seine Beschriftung www.ramallahtours.info aufmerksam machte. Auf der Website wurden Touren nach Ramallah zur Buchung angeboten - "safe & easy", was angesichts der politischen Lage absurd erscheint, aber durch diese Absurdität hindurch die Lebensrealität dieses Konflikts deutlich macht.

Das Thema der Grenze und ihrer Überschreitung - im physischen wie psychischen Sinne - stand auch im Zentrum der Einzelausstellung borderlines, die 2011 im Rahmen des European Media Art Festivals (EMAF) gezeigt wurde und 4 Installationen und Projekte vorstellte, u.a. die audiovisuelle Installation Cuts and Creeds (2010), bei der muslimische Selbstmordattentäter westlichen Amokläufern gegenübergestellt werden, und die Arbeit Make me wild - Godwin (2011), bei der ein illegaler Immigrant aus Nigeria in Osnabrücks Straßen und weiteren Städten Europas auftauchte.

Die Verschränkung des physischen mit dem medialen öffentlichen Raum, die zunehmend unsere Realität bestimmt, wird unabhängig vom gewählten, künstlerischen Medium immer mehr zum zentralen Punkt in Kleins Arbeiten, die spezifische Kommunikationssituationen generieren, den öffentlichen Raum ästhetisch verdichten und politisch-situativ aufladen.

Die Klang-Licht-Installation Der gelbe Klang2 von 2012 für die umfassende Klangkunstausstellung SOUND ART am ZKM Karlsruhe ist ein Verweis auf die frühen Ursprünge der Klangkunst, eine Reminiszenz an Wassily Kandinsky's Text "Über Bühnenkomposition / Der gelbe Klang" von 1912, in dem er eine neue Verbindung der Künste auf einer abstrakt-materialen Basis fordert. Mit der zweiteiligen installation GNADE im Sommer 2012 - mit interaktiven Gnade-Schriftzügen vor Banken und einem medialen Gnadenaltar in einem barocken Raum - wurde die zeitdiagnostische Qualität dieses altertümlichen Begriffs herausgearbeitet und provokativ in den öffentlichen Raum gestellt.

Fortgesetzt wurde die Beschäftigung mit dem globalen Finanzsystem in Kooperation mit Steffi Weismann (UNzuRECHT, Schweiz 2013), worin die verschiedenen Arbeitsprozesse im globalen Rohstoffhandel in einer nur für einen Besucher zugänglichen, audiovisuellen Raumsituation zur Darstellung kommen. In dem permanenten Sound Walk toposonie :: spree (Berlin, 2013) wird der Zuhörer vor Ort in eine zweite Wirklichkeit geführt, die einen akustischen Blick hinter die Fassaden der Regierungsbauten an der Spree ermöglicht (per Smartphone-App).

Seit 2013 ist Georg Klein Dozent im Studium Generale der Universität der Künste in Berlin, im Jahr 2014 ist er auch als Kurator am MuseumsQuartier Wien tätig (PCFS - Post Colonial Flagship Store). Er ist Mitgründer der Gruppe Errant Bodies Berlin zur Entwicklung eines unabhängigen, selbst-organisierten sound art project space (mit ca. 15 Klangkünstler/innen) in Berlin. 2015 wurde auf der Einzelausstellung borderlines sein thematischer Werkkatalog im Kunsthaus Meinblau, Berlin, vorgestellt. Sein reinszeniertes Projekt "European Border Watch" wurde auf dem European Media Art Festival (EMAF 2015) mit dem Dialogpreis des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

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